Fisch & Co.

Ein Wasserkraftwerk im Rhein – und was sagt der Fisch dazu?

Die Errichtung von Wasserkraftwerken im Rhein, auch von Kleinwasserkraftwerken wie der Strom-Boje, führt zu der Frage, ob das alles auch mit der Ökologie und den Fischen im Rhein zueinander passt oder ob hier ein neuer Eingriff in die Gewässerökologie erfolgt.

Selbstverständlich sind das auch Fragen, die wir uns selbst und vor allem dem Hersteller, Aqua Libre in Wien, schon beim ersten Kontakt gestellt haben.

Wer Erneuerbare Energien einsetzt, um umweltfreundlich und CO2-neutral Strom zu produzieren, ist auch an einer umweltverträglichen Produktion interessiert. Das ist jedenfalls unser selbst gestellter Anspruch.

Die umweltverträgliche Stromerzeugung ist zudem ein wesentlicher Punkt im wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren der oberen Wasserbehörde. Die Fischverträglichkeit wird ebenso geprüft wie die Verträglichkeit im Rahmen von Natura 2000 (FFH und Vogelschutz).

Folgerichtig ist die erteilte Wasserrechtliche Genehmigung des Strom-Bojen-Parks bei St. Goar mit der Auflage zur Durchführung eines Fischmonitorings verbunden, um über die bereits vom Hersteller in der Donau seit 2011 im Dauerbetrieb gewonnenen Erfahrungen hinaus auch für den Standort im Mittelrhein konkrete Daten über die Auswirkungen des Betriebes zu erhalten.

Das Fischmonitoring wird mit der Anlieferung der ersten Strom-Boje aufgenommen. Konkret ist vorgesehen, in der 1. Stufe ein Videomonitoring zu machen um festzustellen, ob und welche Fische durch die Anlage hindurch schwimmen und durch den Rotor gefährdet sein könnten. In der 2. Stufe erfolgt die Einhängung eines Netzes zu vorgegebenen Zeiten, insbesondere in Zeiten von Lachswanderung und Aalwanderung, um die Zahl der durchschwimmenden Fische und evtl. Verletzungen festzustellen.

Die 1. Stufe, das Videomonitoring, stimmen wir derzeit mit der Fa. Profish in Mainz als Fachunternehmen und der oberen Wasserbehörde als Genehmigungsbehörde ab.

Zum besseren Verständnis

möchten wir darauf aufmerksam machen, dass die Strom-Boje nicht auf Verbauungen des Gewässers angewiesen ist, sondern nur die Kraft der freien Strömung nutzt. Genau das finden wir als einen ganz wichtigen Grund, dass die Strom-Boje im hochsensiblen Mittelrhein überhaupt eingesetzt werden kann. Und als Strömungsturbine ohne Verbauung reduziert sich die Frage der Fischgängigkeit ganz wesentlich.

Zur Fischökologie liegen bereits beim Hersteller aus dem Dauerbetrieb der Strom-Boje in der Donau (Wachau) Erfahrungen vor. Auch dort wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt.
Als Ergebnis ist festzuhalten: eine nennenswerte Beeinträchtigung hat sich nicht ergeben, weder bei der Fischdurchgängigkeit noch der Scheuchwirkung oder bezüglich des Flußgrundes.

U. a. war dort im Rahmen des Monitorings auch ein Fangnetz eingehängt, in dem kein einziger Fisch gefangen wurde. Das ist auch verständlich, da der Rotor der Strom-Boje nur eine Fläche von 5 m² abdecket, der Repeller selbst davon nur einen Bruchteil. Bei einem Querschnitt der Donau von ca. 1.000 m² am Standort Kienstock (in der engen Stelle des Rheines bei St. Goar sind es 800 m² bzw. im Seitenarm Prinzensteiner Fahrwasser ca. 300 m²) ist kaum zu erwarten, dass sich Fische den Weg durch die engen Abweiserstäbe im Einlaufbereich der Strom-Boje suchen. Zumal die Strom-Boje im Betrieb durch den Rotor (Repeller) Schwingungen abgibt und Fische so vermutlich abhält, durch die Abweiserstäbe durchzuschwimmen. Flußaufwärts müßte der Fisch um in die Boje einzuschwimmen die doppelte Strömungsgeschwindigkeit im Auslauf des Diffusors überwinden. Warum sollte er?

Vielleicht noch ein Hinweis:

Derzeit sind 90 % des Fischbesatzes im Mittelrhein eingewanderte Schwarzmundgrundeln aus der Donau bzw. dem Schwarzem Meer. Mit einer Länge von 15 cm und wenig schmackhaft werden sie von den Anglern nicht gewollt, sondern dienen als Köderfisch.

Durch die starke Strömung und das Geschiebe ist der Untergrund im Mittelrhein meist blanker Fels, also wenig interessant für Fische. Berufsfischerei war in dem Bereich auch nur Lachsfang und der Maifisch neben dem Aalfang.  Der Mittelrhein ist eine „Barbenregion“. Vorkommende Fische sind sonst noch Nase, in den Häfen und an Buhnen Aale und noch abwandernde Blankaale. Ein Aalschokker liegt in St. Goar.

Zum Wanderverhalten des Lachses im Rhein liegen bisher keine tieferen Erkenntnisse vor (gem. Vortrag SGD Süd). Auch von dort wird der Betrieb einer Strömungsturbine nicht als belastend angesehen.

Da die Datenlage zum Fischverhalten, insbesondere der Langdistanzwanderfische im Rhein bisher nicht sehr umfangreich ist, können durch das Fischmonitoring generell auch neue Erkenntnisse gewonnen werden. Lachse werden teilweise mit Transpondern ausgestattet, die von Antennen an der Strom-Boje ausgewertet werden können.

Wir wollen auch anbieten, die Möglichkeiten des Videomonitorings für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu nutzen. Wir stellen dafür die Infrastruktur gerne zur Verfügung.

wissenschaftlichen Umweltbeirat bestellt

Um den Stellenwert, den wir Fragen zur Umwelt beimessen, zu verdeutlichen, haben einen wissenschaftlichen Umweltbeirat institutionalisiert.  Als wissenschaftlichen Beirat konnten wir Herrn Prof. Dr. rer. nat. Bernd Deventer gewinnen. Prof. Deventer ist an der Technischen Hochschule Bingen im Fachbereich Life Sciences and Engineering tätig.